Bikepacking in Norwegen: Routen, Übernachten und Versorgung
Bikepacking in Norwegen planen: Routenideen von den Lofoten bis zum Mjølkevegen, Zelten nach Jedermannsrecht, DNT-Hütten, Einkaufen am Sonntag, Wasser, Tunnel und Fähren.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
Norwegen ist ein Traumziel für Bikepacking: lange helle Sommernächte, das Recht, fast überall zu zelten, und Landschaften, die sich alle paar Kilometer ändern. Dafür musst du mit Regen, Wind, Tunneln, teuren Einkäufen und langen Strecken ohne Laden rechnen. Diese Seite hilft bei der Planung. Die Ausrüstung steht in der Bikepacking-Packliste.
Routenideen für mehrere Tage
Mjølkevegen durch Valdres
Der Mjølkevegen von Vinstra nach Gol ist rund 230 bis 250 km lang und läuft überwiegend auf festem Schotter über Almstraßen, der höchste Punkt liegt auf 1.300 m. Er ist beschildert, ab Mitte Juni ganz fahrbar und hat genug Unterkünfte für eine Tour ohne Zelt. Wildcampen auf aktiven Weiden ist dort wegen der freilaufenden Tiere keine gute Idee, es gibt aber Campingplätze an der Strecke. Mehr dazu unter Gravel in Norwegen.
Rallarvegen plus Fjorde
Der Rallarvegen von Haugastøl über Finse nach Flåm ist der Klassiker für ein bis zwei Tage. Mit Zelt und Gepäck lässt er sich zu einer größeren Runde verlängern: ab Flåm entlang der Fjorde weiter Richtung Westen oder mit Fähren über den Sognefjord. Alles zur Strecke steht auf der Seite Rallarvegen. Auf der Bergenbahn musst du einen Fahrradplatz vorab reservieren.
Lofoten
Bikepacking auf den Lofoten heißt vor allem: auf der E10 von Insel zu Insel, mit Abstechern in die Fischerdörfer und an die Strände. Im Sommer teilst du die Straße mit vielen Wohnmobilen. Anreise und Rückreise laufen oft über die Fähre Bodø–Moskenes. Was du zu Tunneln, Campingplätzen und Wildcampen auf den Inseln wissen musst, steht unter Radfahren auf den Lofoten.
Nordsjøruta (Nordseeküstenradweg)
Der norwegische Teil des Nordseeküstenradwegs führt von der schwedischen Grenze entlang der Südküste und die Westküste hinauf. Er ist eine gute Wahl für Touren über eine oder mehrere Wochen, mit vielen Fähren und kleinen Häfen. Details unter Nordseeküstenradweg, die übergeordnete Route unter EuroVelo 1.
Kystriksveien
Der Kystriksveien (Rv17) in Nordland führt entlang der Helgelandküste mit vielen Fährstrecken. Er ist eine ruhige Alternative zur E6 für alle, die in den Norden oder zum Nordkap fahren. Mehr zur Straße unter Landschaftsrouten, zur ganzen Strecke nach Norden unter Mit dem Rad zum Nordkap.
Komoot und GPX
Für Bikepacking in Norwegen findest du auf Komoot viele Touren von anderen Radlern. Nutze sie als Ideen, aber prüf jede Route selbst auf Tunnelverbote und Wintersperren. Weitere Touren mit Kennzahlen sammeln wir im Tourenverzeichnis.
Übernachten
Wildcampen: Das Friluftsgesetz erlaubt Zelten im Außenbereich (utmark), mindestens 150 m vom nächsten bewohnten Haus oder der nächsten Hütte entfernt und höchstens zwei Nächte am selben Ort. Im Gebirge und in abgelegenen Gebieten gilt die Zwei-Nächte-Grenze nicht. Auf Feldern, Weiden und in Gärten (innmark) darfst du nicht zelten. In manchen Gebieten gibt es lokale Verbote, achte auf Schilder. Geeignete Plätze findest du mit dem Tool Wildcampen.
Campingplätze: Sie bieten Duschen, Waschmaschinen und Strom zum Laden. An vielen Plätzen gibt es auch einfache Hütten, wenn es tagelang regnet. Eine Übersicht steht unter Camping in Norwegen.
DNT-Hütten: Der Norwegische Wanderverband DNT betreibt rund 600 Hütten, von bewirtschafteten Häusern bis zu unbewirtschafteten Hütten. Für die Selbstversorgerhütten brauchst du meist den DNT-Schlüssel, Mitglieder übernachten günstiger. Viele Hütten liegen an Wanderwegen, die du mit dem Rad nicht fahren kannst, prüf also die Zufahrt.
Versorgung
Einkaufen: In Norwegen gilt ein strenges Sonntagsgesetz. Sonntags und an Feiertagen dürfen nur Lebensmittelläden mit höchstens 100 m² Verkaufsfläche, Tankstellen mit höchstens 150 m² und Läden in offiziell ausgewiesenen Touristenorten öffnen. Große Supermärkte bleiben zu. Kauf am Samstag für zwei Tage ein. Auf dem Land und im Fjell liegen Läden oft weit auseinander. Plan Einkaufsstopps deshalb wie Wasserstellen.
Wasser: Bäche und Seen gibt es fast überall. Wo Schafe, Kühe oder Ziegen weiden, solltest du das Wasser abkochen oder filtern. Das empfiehlt zum Beispiel Visit Valdres für den Mjølkevegen. Auf Campingplätzen, an Tankstellen und in Cafés kannst du Flaschen meist auffüllen.
Kosten: Norwegen ist teuer, vor allem Essen im Restaurant. Wer selbst kocht, zeltet und auf Hütten nur bei schlechtem Wetter ausweicht, hält die Kosten im Rahmen. Die Fahrpläne und Preise findest du unter Fähren in Norwegen.
Wetter, Wind und Mücken
Wetter: Rechne auch im Juli mit Regentagen und im Gebirge mit kühlen Temperaturen. Wetterfeste Kleidung und ein Schlafsack, der auch kalte Nächte schafft, sind wichtiger als leichtes Gewicht. Aktuelle Aussichten unter Wetter.
Wind: An der Küste und auf den Hochebenen gibt es kaum Schutz. Starker Gegenwind kann eine Tagesetappe deutlich verkürzen. Plan Puffertage ein und schau vor der Richtungswahl in die Windvorhersage.
Mücken: Im Hochsommer sind Mücken und Kriebelmücken vor allem in windstillen Tälern, an Seen und im Norden lästig. Ein Zelt mit gutem Moskitonetz und Repellent gehören ins Gepäck.
Tageslicht: Nördlich des Polarkreises ist es im Frühsommer rund um die Uhr hell, auch im Süden werden die Nächte kaum dunkel. Ab August werden die Abende schnell kürzer. Wie lang es wo hell ist, rechnet der Tageslicht-Rechner.
Tunnel und Fähren
Tunnel sind das größte Problem bei der Routenplanung. Radfahren ist in vielen Tunneln verboten, ein Schild an der Einfahrt zeigt das an. Oft gibt es eine alte Straße außen herum, manchmal nur Bus oder Fähre. Alle Tunnel mit Radverbot zeigt die Tunnelkarte.
Fähren gehören in Norwegen zum Straßennetz und nehmen Räder in der Regel mit. Plan die Abfahrtszeiten ein, auf kleinen Strecken fährt die Fähre manchmal nur alle paar Stunden. Anreise mit Fähre, Bahn und Flugzeug steht unter Anreise mit dem Rad.
Bikepacking in Skandinavien
Norwegen lässt sich gut mit Schweden und Finnland verbinden, etwa auf dem Weg zum Nordkap oder über den Nordseeküstenradweg. In Schweden und Finnland gibt es ein ähnliches Jedermannsrecht, die Regeln unterscheiden sich aber im Detail. Prüf sie für jedes Land, bevor du dort zeltest.
Passende Touren
- Lofoten der Länge nach: Å–SvolværDie klassische Lofoten-Durchquerung von Å bis Svolvær über Flakstadøya, Vestvågøy und Austvågøy, mit Nebenstraßen abseits der E10 und Rad-Shuttle am Nappstraumtunnel.
- Radtour
- 151 km
- 650 m hoch
- mittel
- 3 Tage
- Mjølkevegen: Vinstra–GolNationale Radroute 5 von Vinstra im Gudbrandsdal durch das Almgebiet von Valdres nach Gol im Hallingdal, rund 250 km überwiegend auf Schotter.
- Gravel
- Radtour
- 226 km
- 3.380 m hoch
- anspruchsvoll
- 4 Tage
- ab Bahnhof
- Senja: Gryllefjord–BotnhamnHügelige Küstenfahrt an der wilden Außenseite von Senja, vorbei an den Okshornan und mit Abstechern zu Fischerdörfern wie Husøy.
- Rennrad
- Radtour
- 104 km
- 1.240 m hoch
- mittel
- 2 Tage
- Aursjøvegen: Sunndalsøra–EresfjordWilde Schotter-Bergstraße über den Stausee Aursjøen ins Eikesdal mit Mardalsfossen, Haarnadelkurven und kaum Infrastruktur.
- Gravel
- Radtour
- 97 km
- 1.340 m hoch
- anspruchsvoll
- 2 Tage
- Kystriksveien: Holm–SandnessjøenSüdlicher Teil der Küstenstraße Helgelandskysten mit drei Fährüberfahrten, vorbei an Torghatten und Brønnøysund bis nach Sandnessjøen.
- Radtour
- 149 km
- 460 m hoch
- mittel
- 3 Tage
- Nordsjøruta: Stavanger–Egersund über JærenFlache Küstenetappe der Nordseeroute (EuroVelo 12) an den längsten Sandstränden Norwegens entlang, mit Bahnhöfen an beiden Enden.
- Radtour
- 89 km
- 570 m hoch
- leicht
- 2 Tage
- ab Bahnhof
- Varanger: Varangerbotn–HamningbergNorwegens nördlichste Touristenstraße: am Varangerfjord entlang über Vadsø nach Vardø und über hügelige Arktisküste bis zum verlassenen Fischerdorf Hamningberg.
- Radtour
- Rennrad
- 180 km
- 1.090 m hoch
- mittel
- 3 Tage
Häufige Fragen
- Darf man beim Bikepacking in Norwegen wild zelten?
- Ja. Nach dem Friluftsgesetz darfst du im Außenbereich zelten, mindestens 150 m vom nächsten bewohnten Haus oder der nächsten Hütte entfernt und höchstens zwei Nächte am selben Ort. Im Gebirge und abgelegenen Gebieten gilt die Zwei-Nächte-Grenze nicht. Auf Feldern, Weiden und in Gärten ist Zelten nicht erlaubt.
- Haben Supermärkte in Norwegen sonntags geöffnet?
- Die meisten nicht. Sonntags dürfen nur Lebensmittelläden mit höchstens 100 m² Verkaufsfläche, Tankstellen bis 150 m² und Geschäfte in offiziell ausgewiesenen Touristenorten öffnen. Kauf deshalb am Samstag für zwei Tage ein oder plan Tankstellen und kleine Läden ein.
- Welche Route eignet sich für Bikepacking in Norwegen?
- Für den Einstieg eignen sich der Mjølkevegen durch Valdres (rund 230 bis 250 km, überwiegend Schotter) oder der Rallarvegen mit Verlängerung an die Fjorde. Auf den Lofoten fährst du vor allem auf der E10 mit Fähren und Tunneln. Lange Küstentouren bietet der Nordseeküstenradweg im Süden.
- Kann ich in DNT-Hütten übernachten?
- Ja, der Norwegische Wanderverband DNT betreibt rund 600 Hütten, von bewirtschafteten Häusern bis zu unbewirtschafteten Hütten. Für die Selbstversorgerhütten brauchst du meist den DNT-Schlüssel, Mitglieder zahlen weniger. Viele Hütten liegen allerdings an Wanderwegen, nicht an fahrbaren Wegen.