EuroVelo 1 in Norwegen: vom Nordkap entlang der Küste nach Bergen
EuroVelo 1 in Norwegen: vom Nordkap über Senja, Lofoten, Helgeland und Trondheim nach Bergen. Verlauf, Karte und GPX, Fähren, Tunnel, Saison und Schwierigkeit.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
Der EuroVelo 1, die „Atlantic Coast Route“, ist mit gut 10.000 km eine der längsten Radrouten Europas. Sie beginnt am Nordkap und endet in Portugal. Der norwegische Teil gilt als der spektakulärste: Steilküsten, Inseln, Fjorde, Mitternachtssonne. Er ist aber auch der anspruchsvollste, mit vielen Fähren, Tunneln und Anstiegen. Hier bekommst du einen Überblick über Verlauf, Karten, Fähren und die Frage, für wen sich die Route eignet.
Verlauf in Norwegen
EuroVelo teilt den norwegischen Abschnitt in zwei Etappen:
| Etappe | Von – bis | Stationen |
|---|---|---|
| Land of the Midnight Sun | Nordkap – Helgeland | Tromsø, Senja, Andøya, Lofoten, Polarkreis an der Helgelandküste |
| Land of the Fjords | Trondheim – Bergen | Atlanterhavsvegen bei Kristiansund, Ålesund, Sognefjord, Bryggen in Bergen |
Dazwischen liegen Trøndelag und die Region um Trondheim mit ihren Agrarlandschaften. Die EuroVelo-Routen in Norwegen sind laut EuroVelo mit wenigen Ausnahmen identisch mit den nationalen Radrouten. Beim EuroVelo 1 ist das vor allem die Küstenroute Nr. 1 (Kystruta), die insgesamt von Svinesund über Bergen und Trondheim bis zum Nordkap und nach Kirkenes führt. Deshalb suchen viele die Strecke auch als „Norwegen Radweg 1“.
Eine offizielle Kilometerzahl nur für den norwegischen Teil des EuroVelo 1 nennt EuroVelo nicht. Die ganze Küstenroute Nr. 1 ist laut Visit Norway rund 4.500 km lang. Rechne für die Strecke Nordkap–Bergen je nach Variante und Umwegen mit mehreren Tausend Kilometern und einigen Wochen im Sattel.
Südlich von Bergen geht der EuroVelo 1 nicht in Norwegen weiter. Die Route setzt auf den Britischen Inseln fort, eine direkte Fähre von Bergen dorthin gibt es laut EuroVelo derzeit nicht. Wer an der norwegischen Küste bleiben will, wechselt in Bergen auf den Nordseeküstenradweg (EuroVelo 12).
Karte, GPX und Komoot
- eurovelo.com: Übersichtskarte mit Ausbaustand. GPX-Tracks gibt es für die komplette Etappe oder nur für ausgebaute Abschnitte.
- Komoot: EuroVelo stellt die GPS-Tracks über Komoot bereit, dort kannst du sie direkt in deine Planung übernehmen.
- Statens vegvesen und Sykkelnorge: Karten und GPX der nationalen Route Nr. 1.
- waymarkedtrails.org: Zeigt, welche Abschnitte in OpenStreetMap als Radroute eingetragen sind, und hilft bei Umfahrungen.
Einen Überblick über alle Quellen gibt der Artikel Radrouten in Norwegen.
Fähren auf der Route
Auf dem EuroVelo 1 in Norwegen gehören Fähren zum Alltag. EuroVelo schreibt zu beiden Etappen, dass du viele Fähren nehmen musst, um Fjorde und Sunde zu queren. Besonders dicht sind sie auf dem Kystriksveien an der Helgelandküste zwischen Steinkjer und Bodø. Die Strecke ist laut Visit Norway rund 650 km lang und hat mehrere Fährüberfahrten, etwa von Holm nach Vennesund.
Ein paar Regeln für Fähren:
- Rad mitnehmen: Räder dürfen auf Fähren und Bussen mit, meist gegen eine Gebühr in Höhe eines Kindertickets.
- Fahrpläne prüfen: Viele Fähren fahren nur ein paar Mal am Tag. Die Abfahrtszeiten bestimmen die Tagesetappe oft stärker als das Gelände. Verbindungen findest du im Fähr-Tool und im Ratgeber Fähren in Norwegen.
- Puffer einplanen: Wenn eine Fähre ausfällt oder voll ist, hängst du fest. Plane pro Woche einen Reservetag ein.
Tunnel
EuroVelo warnt ausdrücklich: Die Route führt in Norwegen durch viele Tunnel, nimm Licht mit. Manche Tunnel sind lang, kalt, nass und laut. Viele sind für Radfahrer gesperrt, dann gibt es eine alte Straße außen herum oder einen Bus. Vor allem der Weg vom Nordkap nach Süden beginnt mit dem Nordkaptunnel, der für Radfahrer offen ist. Welche Tunnel du fahren darfst, zeigt die Tunnelkarte. Details zum Start am Nordkap stehen im Artikel Mit dem Fahrrad zum Nordkap.
Für Tunnel brauchst du:
- helles Vorderlicht und Rücklicht, am besten zusätzlich ein Blinklicht hinten
- eine Warnweste oder reflektierende Kleidung
- eine warme Schicht, denn in langen Tunneln ist es auch im Sommer kühl
Saison
Laut Visit Norway beginnt die Radsaison in Süd-, Ost- und Fjordnorwegen im April oder Anfang Mai und reicht bis in den Oktober. In Nordnorwegen kommt der Frühling oft erst Ende Mai oder Anfang Juni, und die Saison endet im September oder Oktober. Die Mitternachtssonne hast du im Norden bis etwa Ende Juli.
Wer die ganze Strecke Nordkap–Bergen fährt, startet deshalb meist im Juni im Norden und fährt mit dem Sommer nach Süden. Wie lange es wo hell ist, zeigt der Tageslicht-Rechner.
Erfahrungen und Schwierigkeit
Der EuroVelo 1 in Norwegen ist keine Genussroute auf flachen Radwegen. Das solltest du wissen:
- Profil: Die Küste ist selten flach. Du fährst viele kurze, teils steile Anstiege, über Brücken und Pässe zwischen den Fjorden.
- Wetter: Wind, Regen und kühle Temperaturen sind auch im Sommer normal. Gute Regenkleidung ist Pflicht, die aktuelle Lage findest du beim Wetter.
- Verkehr: Oft gibt es nur eine Straße entlang der Küste. Im Sommer sind dort viele Wohnmobile unterwegs.
- Versorgung: Im Norden liegen Läden und Unterkünfte teils weit auseinander. Zelten ist nach dem Jedermannsrecht an vielen Stellen erlaubt, mehr dazu unter Camping.
- Unterkünfte: Betriebe mit dem Siegel „Cyclist Welcome“ bieten sichere Radabstellplätze, Pumpe und Werkzeug.
Wer nur einen Teil fahren möchte, sucht sich einen Abschnitt aus: Die Lofoten mit ihren Brücken und Stränden, der Kystriksveien mit den Fähren oder das Stück Trondheim–Bergen mit der Atlanterhavsvegen. Für die Ausrüstung hilft der Artikel Bikepacking in Norwegen.
Häufige Fragen
- Wo verläuft der EuroVelo 1 in Norwegen?
- Der EuroVelo 1 beginnt am Nordkap und führt an der Küste entlang über Tromsø, Senja, Andøya und die Lofoten, dann über die Helgelandküste mit dem Polarkreis und durch Trøndelag nach Trondheim. Von dort geht es über die Atlanterhavsvegen und Ålesund bis Bergen.
- Gibt es den EuroVelo 1 für Norwegen bei Komoot?
- Ja. EuroVelo stellt die GPS-Tracks seiner Routen über Komoot bereit, auf eurovelo.com sind die Abschnitte verlinkt. Die Tracks gibt es sowohl für die komplette Etappe als auch nur für die ausgebauten Teile.
- Wie schwer ist der EuroVelo 1 in Norwegen?
- Anspruchsvoll. Du fährst über Wochen mit viel Gepäck, mit vielen kurzen Anstiegen, Wind von der Küste und wechselhaftem Wetter. EuroVelo weist ausdrücklich auf viele Tunnel und Fähren hin. Mit guter Grundkondition und Erfahrung im Radreisen ist die Strecke gut machbar.
- Wann ist die beste Zeit für den EuroVelo 1 in Norwegen?
- Im Norden laut Visit Norway von Ende Mai oder Juni bis September, im Süden und in Fjordnorwegen von April oder Mai bis Oktober. Wer am Nordkap startet, fährt meist im Juni oder Juli los und hat dann die Mitternachtssonne.