Mit dem Fahrrad nach Norwegen: Fähre, Bahn, Flug
So kommt dein Rad nach Norwegen und im Land weiter: Fähren ab Kiel und Dänemark, Vy-Züge, Hurtigruten, Flug mit Radkarton, E-Bike-Akkus und Fahrradträger am Auto.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
Nach Norwegen kommst du mit dem eigenen Rad auf vier Wegen: mit der Fähre aus Deutschland oder Dänemark, mit dem Zug über Schweden, mit dem Flugzeug oder auf dem Fahrradträger am Auto. Im Land selbst helfen Züge, Busse, die Hurtigruten und viele kleine Fähren weiter. Die Regeln unterscheiden sich stark je nach Verkehrsmittel. Hier das Wichtigste im Überblick, Stand September 2026.
Mit der Fähre nach Norwegen
Die Fähre ist für Radreisende der bequemste Weg, weil das Rad ohne Verpackung mitfährt.
- Color Line Kiel–Oslo: die einzige direkte Fähre zwischen Deutschland und Norwegen, über Nacht. Fahrräder können mitgebucht werden.
- Color Line und Fjord Line ab Hirtshals: nach Kristiansand (Color Line und Fjord Line), mit Fjord Line außerdem nach Stavanger und Bergen. Für Radler aus dem Westen Norwegens ist Hirtshals–Bergen interessant, weil sie direkt an der Fjordküste ankommen.
- Stena Line Frederikshavn–Oslo: Alternative über Nacht von Nordjütland.
Die Preise für die Radmitnahme ändern sich je nach Saison und Tarif und stehen erst im Buchungsvorgang. Buche das Rad immer bei der Buchung mit, nicht erst am Terminal. Wer mit dem Auto und Heckträger fährt, muss laut Color Line die Gesamtlänge einschließlich Fahrradträger angeben. Einen Vergleich aller Fährverbindungen findest du im Fähren-Tool.
Mit der Bahn: Vy, SJ und Go-Ahead
In Norwegen fahren drei Bahngesellschaften, alle nehmen Räder mit, aber mit wenigen Plätzen pro Zug.
Vy (Bergenbahn, Gjøvikbahn, Ostnorwegen):
- Auf der Bergenbahn (Oslo–Bergen) und der Flåmsbana (Myrdal–Flåm) ist eine Reservierung des Fahrradplatzes Pflicht. Du buchst sie beim Ticketkauf auf vy.no oder in der App unter „Reisende“ und „Fahrrad“.
- Auf der Gjøvikbahn und der Strecke Oslo–Halden–Göteborg wird die Reservierung empfohlen.
- In allen anderen Vy-Zügen gehst du mit dem Rad in den mit Fahrradsymbol gekennzeichneten Wagen und kaufst das Fahrradticket an Bord.
Laut Norway by Bike gibt es auf der Bergenbahn 15 reservierbare Radplätze pro Zug, in vielen Nahverkehrszügen nur 5. Das Fahrradticket kostet oft so viel wie ein Kinderticket. Für die Rallarvegen-Strecke nennt Haugastøl 2026 zum Beispiel 275 NOK für Haugastøl–Finse. Im Juli sind die Plätze auf der Bergenbahn schnell weg, buche also früh. Alles zum Rallarvegen steht unter Rallarvegen mit dem Fahrrad.
SJ Nord fährt die Dovrebahn (Oslo–Trondheim) und die Nordlandsbahn (Trondheim–Bodø) mit laut Norway by Bike je 5 Radplätzen (10 bei Doppelzügen). E-Bikes sind erlaubt, laden kannst du den Akku an Bord aber nicht. Go-Ahead Nordic fährt die Sørlandsbahn Oslo–Kristiansand–Stavanger.
Mit dem Zug Richtung Nordkap
Das norwegische Bahnnetz endet im Norden in Bodø. Weiter nach Norden geht es nur über die Erzbahn aus Schweden nach Narvik oder mit Bus und Schiff. Wer mit Rad zum Nordkap will, fährt also meist bis Bodø oder Narvik und radelt von dort, oder nimmt ab Bodø die Hurtigruten. Mehr dazu unter Mit dem Fahrrad zum Nordkap.
Busse
Bei Nor-Way Bussekspress kannst du auf mehreren Fernbuslinien einen Radplatz reservieren, bezahlt wird laut Norway by Bike etwa ein Kinderticket. In Regional- und Stadtbussen entscheidet der Fahrer, ob Platz ist, eine Garantie gibt es nicht, vor allem nicht im Berufsverkehr. Wo Tunnel für Räder gesperrt sind, ist ein Bus oft die einzige Alternative, siehe Tunnel für Radfahrer.
Hurtigruten und Havila
Die Postschiffe entlang der Küste zwischen Bergen und Kirkenes nehmen Räder mit. Bei Hurtigruten kostet ein Fahrrad auf Reisen von Hafen zu Hafen 250 NOK. Das Rad steht auf dem Autodeck, angemeldet wird es beim Kundenservice. Havila Kystruten bietet die Radmitnahme ebenfalls gegen Gebühr an, den Preis nennt Havila auf Anfrage. Die Schiffe sind praktisch, um lange oder verkehrsreiche Abschnitte zu überspringen oder vom Nordkap zurückzukommen.
Inlandsfähren mit Rad
Auf den vielen Autofähren innerhalb Norwegens fahren Räder meist kostenlos oder zum Fußgängerpreis mit. Auf der Fähre Bodø–Moskenes zu den Lofoten fahren Fußgänger und Radfahrer laut Torghatten kostenlos, solange sie keinen Platz reservieren. Schnellboote berechnen für Räder oft einen Kinderpreis. Alles zu Fährlinien, Preisen und Tickets steht unter Fähren in Norwegen.
Mit dem Flugzeug
Normale Fahrräder nehmen die großen Airlines als Sondergepäck mit:
- SAS: Das Rad muss in einer Radtasche oder einem Radkarton verpackt sein, zählt als ein Gepäckstück und darf höchstens 23 kg wiegen. Je nach Tarif ist es inklusive oder kostet extra. Anmelden kannst du es bei der Buchung oder bis 24 Stunden vor Abflug.
- Norwegian: empfiehlt einen Hartschalenkoffer. Ohne Koffer müssen Lenker gedreht, Pedale abgebaut, Luft abgelassen und abstehende Teile geschützt sein. Die Gebühr gilt pro Strecke. Radkartons verkauft Norwegian an Flughäfen nicht.
E-Bikes fliegen praktisch nicht mit. SAS und Norwegian nehmen sie nicht als Gepäck an, auch nicht mit ausgebautem Akku. Das Luftfahrt-Bundesamt erklärt, warum: Lithium-Akkus über 160 Wh sind im Passagierflugzeug weder in der Kabine noch im Frachtraum erlaubt, typische E-Bike-Akkus haben 400 bis 750 Wh. Wer mit E-Bike reisen will, nimmt Fähre, Bahn oder Auto, oder mietet vor Ort ein E-Bike.
Mit dem Auto und Fahrradträger
Für Heck- und Dachträger gelten in Norwegen laut dem Automobilclub NAF vor allem diese Regeln:
- Kennzeichen und Leuchten müssen sichtbar bleiben. Verdeckt der Heckträger sie, brauchst du einen Leuchtenträger mit Rück-, Brems- und Blinklicht und Reflektoren sowie ein zweites Kennzeichen.
- Das zweite Kennzeichen muss dieselbe Nummer im gleichen Format zeigen (schwarze Schrift auf weißem oder silbernem Grund) und aus festem Material sein, nicht aus Papier.
- Kennzeichen und Leuchtenträger sitzen zwischen 30 und 120 cm über der Fahrbahn.
- Ein nicht sichtbares Kennzeichen kostet laut NAF 3.900 NOK Bußgeld.
Eine Warntafel für den Heckträger, wie sie etwa Italien verlangt, nennt der NAF für Norwegen nicht. Denk außerdem daran, dass der Träger auf Fähren die Fahrzeuglänge erhöht und damit den Preis in eine höhere Längenklasse schieben kann. Weitere Regeln fürs Auto stehen unter Verkehrsregeln in Norwegen.
Häufige Fragen
- Kann ich mein Fahrrad im Zug in Norwegen mitnehmen?
- Ja. Auf der Bergenbahn und der Flåmsbana musst du bei Vy vorab einen Fahrradplatz reservieren, auf der Gjøvikbahn und Oslo–Halden–Göteborg wird es empfohlen. In anderen Vy-Zügen stellst du das Rad in den gekennzeichneten Wagen und kaufst das Fahrradticket an Bord.
- Was kostet das Fahrrad auf der Hurtigruten?
- Hurtigruten nennt für Reisen von Hafen zu Hafen 250 NOK pro Fahrrad. Das Rad steht während der Fahrt auf dem Autodeck, angemeldet wird es über den Kundenservice.
- Darf ein E-Bike-Akku ins Flugzeug?
- In der Regel nein. Lithium-Akkus über 160 Wh sind im Passagierflugzeug weder in der Kabine noch im Frachtraum erlaubt, typische E-Bike-Akkus haben deutlich mehr. SAS und Norwegian befördern E-Bikes nicht als Gepäck, auch nicht mit ausgebautem Akku.
- Brauche ich in Norwegen eine Warntafel für den Fahrradträger?
- Der norwegische Automobilclub NAF nennt für Heckträger keine Warntafel wie etwa in Italien. Pflicht ist, dass Kennzeichen und Leuchten sichtbar bleiben. Verdeckt der Träger sie, brauchst du einen Leuchtenträger mit zweitem Kennzeichen, sonst drohen laut NAF 3.900 NOK Bußgeld.
Quellen
- Color Line: Mitnahme von Fahrzeugen (Fahrradträger zählt zur Länge)
- Vy: Welche Strecken brauchen eine Fahrradreservierung?
- Vy: Bikes on trains
- Norway by Bike: Bike transport in Norway (Zug, Bus, Schiff)
- Hurtigruten: Havn til havn (Fahrrad 250 NOK)
- Torghatten: Bodø–Værøy–Røst–Moskenes (Fuß- und Radpassagiere)
- SAS: Sportgepäck (Fahrrad, E-Bike)
- Norwegian: Sports equipment (Fahrrad, E-Bike)
- Luftfahrt-Bundesamt: E-Bikes im Passagiergepäck
- NAF: Kjør lovlig med sykkelen bak på bilen
- Haugastøl: Bike rental (Zugpreise Rallarvegen 2026)