Fähren in Norwegen: So funktionieren die Autofähren über die Fjorde
Ohne Ticket an Bord, bezahlt wird per Kennzeichen: Ablauf der Inlandsfähren, Wartezeiten im Sommer, AutoPASS-Rabatte und warum die Fahrzeuglänge den Preis bestimmt.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
Die meisten Autofähren über die norwegischen Fjorde funktionieren wie ein schwimmendes Stück Straße: Du reihst dich am Anleger ein, fährst ohne Ticket an Bord und bekommst die Rechnung später per Kennzeichen über AutoPASS. Reservieren musst und kannst du bei den meisten Verbindungen nicht. Im Sommer kann es auf beliebten Strecken aber Wartezeiten geben.
Dieser Artikel behandelt die Inlandsfähren in Norwegen. Die großen Fähren aus Deutschland, Dänemark und Schweden findest du im Tool Fähren nach Norwegen, die Anreise insgesamt unter Mit dem Auto nach Norwegen.
So läuft eine Überfahrt ab
- Anstellen: Am Anleger (ferjekai) gibt es markierte Wartespuren. Schilder oder Anzeigen zeigen, welche Spur für welches Ziel und welche Fahrzeuggröße gilt. Stell dich in die richtige Reihe und bleib in der Nähe deines Autos.
- Einfahren: Das Personal winkt dich an Bord und zeigt dir den Platz. Fahr dicht auf, damit alle mitkommen. Wohnmobile und Gespanne werden oft gesondert eingewiesen.
- Während der Fahrt: Motor aus, Handbremse an, Gang rein. Die Überfahrt dauert auf den meisten Strecken 10 bis 30 Minuten. Du kannst aussteigen, an Deck gehen oder im Salon einen Kaffee holen.
- Ausfahren: Kurz vor dem Anlegen zurück zum Auto. Erst losfahren, wenn die Klappe unten ist und das Personal das Zeichen gibt.
Eine Kamera am Anleger oder an Bord erfasst dein Kennzeichen, bei vielen Strecken wird auch die Fahrzeuglänge gemessen. Auf einzelnen Verbindungen kassiert noch Personal an Bord, dann zahlst du per Karte.
Reservieren: meist nicht nötig, manchmal sinnvoll
Die kurzen Fjordfähren im Straßennetz fahren nach Fahrplan und nehmen mit, wer da ist, eine Buchung gibt es nicht. Anders ist das bei längeren Strecken über offenes Meer und bei touristischen Fjordfähren. Dort kannst du reservieren, und im Sommer solltest du es auch, zum Beispiel für die Überfahrt von Bodø nach Moskenes auf die Lofoten.
Wartezeiten im Sommer
Von Ende Juni bis Mitte August ist auf vielen Verbindungen Hochbetrieb. Passt die Schlange nicht auf die Fähre, wartest du auf die nächste Abfahrt, auf beliebten Strecken auch mal ein oder zwei Umläufe. Das kostet je nach Takt eine halbe Stunde bis zwei Stunden.
Tipps gegen lange Wartezeiten:
- Früh am Morgen oder am Abend fahren, die Mittagszeit ist am vollsten.
- Wochenenden mit Ferienbeginn meiden.
- Wohnmobile und Gespanne brauchen mehr Platz auf dem Deck, bei vollem Schiff kommen Autos manchmal noch mit, lange Fahrzeuge nicht.
- Die letzte Abfahrt am Abend im Blick behalten. Auf manchen Strecken fährt nachts gar keine Fähre.
Bezahlen per Kennzeichen und AutoPASS
Die meisten Inlandsfähren rechnen über AutoPASS for ferje ab, das gleiche System wie die Maut. Die Rechnung geht per Post an den Halter. Bei Mietwagen läuft sie über den Vermieter, der die Kosten samt eigener Gebühr weiterbelastet.
Der Fahrer ist im Fahrzeugpreis enthalten. Auf vielen Strecken fahren Mitreisende kostenlos mit, das hängt aber vom Betreiber und der Verbindung ab.
Rabatte
| Bezahlweise | Rabatt |
|---|---|
| Ohne Chip, Rechnung per Kennzeichen | voller Preis |
| Mit AutoPASS-Chip, ohne Vorauszahlung | etwa 10 % |
| Mit Chip und Vorauszahlungskonto (Fährkonto) | 50 % für Privatkunden |
Das Fährkonto ist an Fahrzeug und Chip gebunden und verlangt eine Vorauszahlung (2026 für Fahrzeuge bis 8 m 2.200 NOK, Quelle: autopassferje.no). Für eine Urlaubsreise lohnt es sich nur, wenn du sehr viele Fähren nimmst. Wie Chip und Vertrag zusammenhängen, steht im Artikel Maut und AutoPASS.
Die Fahrzeuglänge bestimmt den Preis
Bezahlt wird nach Längengruppen, nicht nach Gewicht. Die günstigste Gruppe gilt für Fahrzeuge bis 6 m, danach steigt der Preis in Stufen. Gemessen wird die tatsächliche Gesamtlänge: Fahrradträger, Heckbox oder Anhänger zählen mit.
Für Wohnmobile und Gespanne macht das einen großen Unterschied, eine Überfahrt kann schnell ein Mehrfaches des Pkw-Preises kosten. Was das für deine Reisekasse bedeutet, liest du unter Wohnmobil und Wohnwagen in Norwegen.
Fahrpläne und Apps
Fahrpläne findest du auf den Seiten der Fährbetreiber und der Landkreise sowie in der landesweiten Reiseplaner-App Entur. Viele Betreiber haben eigene Apps mit Abfahrtszeiten und Störungsmeldungen. Im Winter und bei Sturm fallen Abfahrten aus oder es gilt ein reduzierter Fahrplan, prüf die Zeiten deshalb am Reisetag. Bei der Planung deiner Strecke hilft der Roadtrip-Planer, mehr zu Regeln und Kosten auf der Straße auf der Seite Autofahren in Norwegen.
Und die Hurtigruten?
Die Postschiffe entlang der Küste nehmen auf vielen Strecken auch Autos mit, sind aber eher eine Kreuzfahrt als eine Fjordfähre. Ob sich das für dich lohnt, rechnet der Hurtigruten-Kostenrechner.
Häufige Fragen
Muss ich Fähren in Norwegen vorher buchen?
Bei den meisten kurzen Fjordfähren nicht, du fährst einfach hin und reihst dich ein. Auf einigen langen Strecken wie Bodø–Moskenes ist eine Reservierung möglich und im Sommer sinnvoll.
Wie bezahle ich die Fähre ohne AutoPASS-Chip?
Gar nicht aktiv: Die Kamera erfasst dein Kennzeichen und du bekommst die Rechnung per Post. Auf einigen Strecken zahlst du stattdessen an Bord mit Karte.
Wie lange muss ich im Sommer warten?
Meist gar nicht oder bis zur nächsten Abfahrt. Auf stark befahrenen Strecken in der Hauptsaison können es auch ein bis zwei Umläufe werden.
Zahlen Beifahrer extra?
Der Fahrer ist immer im Fahrzeugpreis enthalten. Auf vielen Strecken fahren auch Mitreisende kostenlos, auf manchen zahlen sie einen Personenpreis.
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