Nordlichter-Saison in Norwegen: ab wann und bis wann?
Wann beginnt und endet die Nordlicht-Saison in Norwegen? Dunkle Stunden und aktive Nächte von August bis April, dazu was im Sommer und am Nordkap möglich ist.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
Nordlichter gibt es über Nordnorwegen das ganze Jahr. Die Sonne sorgt auch im Juni für Polarlichter über der Arktis. Du siehst sie aber nur, wenn der Himmel dunkel genug ist, und genau das begrenzt die Saison. Im Norden dauert sie ungefähr von Ende August bis Mitte April. Dazwischen liegt eine lange helle Zeit, in der auch starke Nordlichter im Tageslicht oder in der hellen Dämmerung untergehen.
Die kurze Antwort
- Beginn: In den Lofoten und in Tromsø wird es ab der zweiten Augusthälfte nachts wieder richtig dunkel. Die ersten Nordlichter der Saison siehst du dort meist Ende August, am Nordkap etwas später.
- Kernsaison: Von Mitte September bis Ende März hast du jede Nacht mehrere dunkle Stunden.
- Ende: Anfang April geht es noch, ab etwa Mitte April sind die Nächte in Nordnorwegen zu hell.
- Keine Chance: Von Anfang Mai bis Anfang August. In dieser Zeit wird es nördlich des Polarkreises nachts gar nicht mehr dunkel, rund um den Mittsommer steht in Tromsø die Mitternachtssonne am Himmel.
Monat für Monat: Dunkelheit und aktive Nächte
Die Tabelle zeigt für drei beliebte Ziele, wie viele Stunden es um die Monatsmitte pro Nacht wirklich dunkel ist. Als „dunkel“ zählt hier, wenn die Sonne mehr als 12 Grad unter dem Horizont steht, also nach dem Ende der nautischen Dämmerung. Daneben steht, in wie vielen Nächten der Kp-Index mindestens einmal 3 erreicht hat (Nächte von 18 bis 6 Uhr UTC, Daten des GFZ Potsdam, 2005–2025). Kp 3 ist schon eine lebhafte Nacht. In Tromsø reicht oft ein niedrigerer Wert, der Anteil zeigt eher, wie unruhig das Magnetfeld im jeweiligen Monat im Schnitt ist. Die letzte Spalte nennt den Anteil überwiegend klarer Nächte an einer Wetterstation bei Tromsø (MET Norway).
| Monat | Dunkle Stunden Tromsø | Dunkle Stunden Alta | Dunkle Stunden Lofoten | Nächte mit Kp ≥ 3 | Klare Nächte Tromsø |
|---|---|---|---|---|---|
| August | 0 | 0 | 0 | 44 % | – |
| September | 6 | 6 | 6,5 | 53 % | 25 % |
| Oktober | 11 | 11 | 11 | 46 % | 26 % |
| November | 14 | 14 | 14 | 45 % | 28 % |
| Dezember | 16 | 16 | 16 | 43 % | 32 % |
| Januar | 15 | 15 | 15 | 42 % | 37 % |
| Februar | 12 | 12 | 12 | 51 % | 35 % |
| März | 8 | 8 | 8 | 54 % | 29 % |
| April | 0 | 0 | 1 | 48 % | – |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist die Sonnenaktivität kein Engpass: Selbst im schwächsten Monat erreicht fast jede zweite Nacht Kp 3. Was die Saison begrenzt, sind Dunkelheit und Wolken. Zweitens gibt es im Dezember keine 24 Stunden Dunkelheit, obwohl in Tromsø Polarnacht herrscht. Die Sonne bleibt zwar unter dem Horizont, steigt mittags aber so weit, dass es einige Stunden dämmrig blau wird.
Wie sich Dunkelheit, Kp-Verteilung und Bewölkung für dein Reisedatum kombinieren, rechnet dir der Chancen-Rechner aus. Die langjährigen Werte im Detail findest du in der Statistik.
Warum im Sommer nichts geht
Nördlich des Polarkreises geht die Sonne im Frühsommer nicht mehr unter. In Tromsø bleibt sie etwa von Ende Mai bis in die zweite Julihälfte über dem Horizont, am Nordkap schon ab Mitte Mai und bis Ende Juli. Aber auch vor und nach der Mitternachtssonne wird es nachts nicht dunkel. Die Sonne sinkt dann nur knapp unter den Horizont, und der Himmel bleibt hell wie in einer langen Abenddämmerung.
Deshalb gilt:
- Nordlichter in Norwegen im Juli: praktisch ausgeschlossen, im Norden wie im Süden.
- Nordkap und Nordlichter im Sommer: Das Nordkap ist im Sommer das Ziel für die Mitternachtssonne, nicht für Nordlichter. Weil es so weit nördlich liegt, beginnt die dunkle Zeit dort sogar später als in Tromsø. Richtig dunkel wird es erst Anfang September.
- Nordlichter im Mai und Juni: ebenfalls keine Chance.
In Südnorwegen ist die Lage anders, aber nicht besser. In Oslo wird es schon ab Ende Juli wieder dunkel, dafür liegt die Stadt weit südlich des Polarlichtovals. Dort brauchst du einen kräftigen geomagnetischen Sturm, und der ist unabhängig von der Jahreszeit selten.
Nordlichter im August
Der August ist ein Übergangsmonat. Um den 15. August ist es in Tromsø, Alta und auf den Lofoten nachts noch nicht völlig dunkel, deshalb die Null in der Tabelle. Das ändert sich aber schnell:
- Lofoten: Ab etwa Mitte August sinkt die Sonne nachts tief genug für eine deutliche Dämmerung, ab Ende August wird es richtig dunkel. Nordlichter auf den Lofoten im August sind also in den letzten zehn bis vierzehn Tagen des Monats möglich, wenn die Aktivität hoch ist.
- Tromsø und Alta: Etwa eine Woche später als die Lofoten. Die letzte Augustwoche ist realistisch, vorher nur bei starker Aktivität und nur um Mitternacht.
- Nordkap: Im August kaum, erst ab Anfang September.
Ein Nordlicht in der Dämmerung ist schwächer als eines im Dunkeln, aber es ist sichtbar. Manche erleben gerade das als besonders schön, weil der Himmel noch einen blauen Rest hat und die Landschaft ohne Schnee grün und dunkel darunter liegt. Plane Ende August so, dass du um Mitternacht draußen bist, und nutze die 3-Nächte-Vorhersage. Eine Nacht mit Kp 4 oder 5 lohnt sich dann besonders.
Ende September und die Tagundnachtgleichen
Ende September ist einer der unterschätzten Termine. Die Nächte sind in Tromsø bereits sechs bis acht Stunden dunkel, es ist noch vergleichsweise mild (im Schnitt rund 8 Grad in der Nacht), und die Aktivität ist statistisch hoch. September und März haben in den Daten den höchsten Anteil an Nächten mit Kp 3 oder mehr. Bei starken Nächten ist der Unterschied noch deutlicher: Kp 5 und mehr kam im September in rund 12 Prozent der Nächte vor, im März in rund 10 Prozent, im Dezember dagegen nur in 5 Prozent.
Dahinter steckt ein bekannter Effekt. Rund um die Tagundnachtgleichen steht die Erdachse so zur Sonne, dass das Erdmagnetfeld Energie aus dem Sonnenwind leichter aufnimmt. Das garantiert dir keine einzelne Nacht, aber es verschiebt die Chancen etwas zugunsten der Monate um März und September.
Der Nachteil von Ende September ist das Wetter: Die Küste ist im Herbst oft bewölkt, in Tromsø war nur etwa jede vierte Nacht überwiegend klar. Wenn du flexibel bist, bleib mehrere Nächte.
Nordlichter im April
Anfang April ist die Saison im Norden noch nicht vorbei. In Tromsø wird es bis etwa zum 10. April um Mitternacht noch kurz richtig dunkel, danach bleibt für gut eine Woche eine tiefe Dämmerung, in der kräftige Nordlichter noch zu sehen sind. Nach Mitte April ist es vorbei, auf den Lofoten ein paar Tage später. Wer einen Winterurlaub mit Schnee und langen Tagen will und Nordlichter nur als Bonus sieht, fährt mit Ende März oder den ersten Apriltagen gut.
Wann und wo: die Kombination
Die Frage „wann“ lässt sich nicht von „wo“ trennen. Weiter südlich ist es länger dunkel, aber du brauchst mehr Aktivität. Weiter nördlich liegst du öfter direkt unter dem Polarlichtoval, hast aber kürzere Übergangszeiten. Eine grobe Orientierung:
- Ende August bis Mitte September: Lofoten und Senja mit der früheren Dunkelheit, dazu Tromsø ab der letzten Augustwoche.
- Oktober bis Februar: alle Ziele im Norden, besonders Tromsø und Alta, das im Inland liegt und oft klarere Nächte bietet.
- März: hohe Aktivität, Schnee, mehr Tageslicht. Für das Nordkap ist März einer der angenehmeren Wintermonate.
Für die einzelnen Monate gibt es eigene Seiten, etwa September, Oktober, Dezember oder März. Wenn du schon vor Ort bist, zeigt dir die Seite Nordlichter aktuell, was gerade am Himmel passiert.