Tunnel in Norwegen: Längste Tunnel, Unterwassertunnel und Regeln
Norwegen hat über 1.000 Straßentunnel. Was im Lærdalstunnel, in steilen Unterwassertunneln und bei Panne oder Brand gilt, und welche Regeln du im Tunnel beachten musst.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann
In Norwegen fährst du ständig durch Tunnel: Das Land hat über 1.000 Straßentunnel, darunter mit dem Lærdalstunnel (24,5 km) den längsten Straßentunnel der Welt und mehrere Unterwassertunnel mit Gefälle bis knapp 10 %. Die wichtigsten Regeln sind einfach: Licht an, Abstand halten, nicht überholen, wo es verboten ist, und bei Panne oder Brand die Notrufeinrichtungen im Tunnel nutzen.
Weitere Themen rund ums Fahren findest du auf der Übersichtsseite Autofahren in Norwegen.
Der Lærdalstunnel: 24,5 km durch den Berg
Der Lærdalstunnel auf der E16 zwischen Aurland und Lærdal in Vestland ist seit 2000 in Betrieb. Die Fahrt dauert je nach Verkehr rund 20 Minuten. Damit die Strecke nicht ermüdet, unterbrechen drei große Berghallen den Tunnel im Abstand von etwa 6 km. Sie sind blau und gelb beleuchtet und sollen an einen Sonnenaufgang erinnern. In den Hallen kannst du wenden, falls du umkehren musst, und kurz halten.
Der Tunnel ist die wintersichere Alternative zur Passstraße über das Aurlandsfjellet, die im Winter gesperrt ist und für lange Fahrzeuge ohnehin eng wird.
Unterwassertunnel: steil hinab und wieder hinauf
Viele Inseln und Halbinseln sind durch Tunnel unter dem Meer verbunden. Sie gehen oft sehr tief hinunter:
| Tunnel | Besonderheit |
|---|---|
| Ryfylketunnelen (Rogaland) | tiefster Unterwassertunnel der Welt, 292 m unter dem Meer, Steigung bis 7 % |
| Eiksundtunnelen (Møre og Romsdal) | 287 m tief, Steigung bis 9,6 % |
In Norwegen sind in Tunneln Steigungen bis 10 % zulässig, deutlich mehr als in der EU. Was das für dich heißt:
- Bergab: Rechtzeitig runterschalten und mit der Motorbremse fahren, statt dauerhaft zu bremsen. Im Tunnel fällt das Gefälle kaum auf, der Tacho steigt trotzdem schnell.
- Bergauf: Lkw und schwere Wohnmobile werden langsam. Plane Geduld ein und überhole nicht, wo es verboten ist.
- Wohnmobil und Gespann: Behalte Motortemperatur und Bremsen im Blick. Bei langen Steigungen hilft ein kleiner Gang.
Regeln im Tunnel
- Licht: In Norwegen musst du ohnehin immer mit Licht fahren, im Tunnel gilt das erst recht. Nimm die Sonnenbrille vor der Einfahrt ab, deine Augen brauchen ein paar Sekunden, um sich umzustellen.
- Abstand: Halte mehr Abstand als auf freier Strecke. Bei Stau im Tunnel lass mindestens eine Wagenlänge Platz nach vorne.
- Überholen: In vielen Tunneln gilt Überholverbot, meist durch eine durchgezogene Linie markiert. Das Überfahren kostet 6.550 NOK, falsches Überholen 10.750 NOK. Alle Beträge findest du im Bußgeldrechner.
- Wenden und Rückwärtsfahren: Im Tunnel verboten. Wende nur in ausgeschilderten Wendebuchten.
- Anhalten: Nur im Notfall, und dann in einer Nothaltebucht (havarinisje).
- Tempo: Viele Tunnel haben eine eigene, oft niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzung. In mehreren langen Tunneln wird die Geschwindigkeit per Streckenkontrolle oder festem Blitzer überwacht. Wo und wie, erklärt der Artikel Blitzer in Norwegen.
Einige Tunnel kosten Maut, die läuft wie überall automatisch über das Kennzeichen.
Verhalten bei Panne
Wenn dein Auto im Tunnel liegen bleibt:
- Warnblinker an und, wenn möglich, in die nächste Nothaltebucht rollen.
- Motor aus, Warnweste anziehen, aussteigen.
- Vom nächsten Notruftelefon (nødtelefon, mit SOS-Schild) aus Hilfe rufen. Das ist besser als das Handy, weil die Verkehrszentrale sofort weiß, in welchem Tunnel und an welcher Stelle du stehst.
Was du danach tun musst und welche Nummern gelten, steht im Artikel Unfall und Panne in Norwegen.
Verhalten bei Brand
Statens vegvesen fasst die Tunnelregeln für den Notfall in drei Stichworten zusammen: Warnblinker, Nothaltebucht, Notruftelefon. Konkret:
- Raus, wenn es geht: Kannst du weiterfahren, fahr aus dem Tunnel heraus und melde den Brand am nächsten Notruftelefon oder unter 110.
- Wenn nicht: Auto am Rand abstellen, Warnblinker an, Schlüssel stecken lassen, damit Rettungskräfte das Fahrzeug wegfahren können.
- Zu Fuß weg vom Rauch, Richtung Ausgang oder zum nächsten Schutzraum, falls der Tunnel einen hat.
- Feuerlöscher hängen an den Notrufnischen. Ein kleiner Brand lässt sich damit oft löschen, geh aber kein Risiko ein.
Radfahrer in Tunneln
Wer mit dem Rad unterwegs ist: In ungefähr einem Drittel der norwegischen Straßentunnel ist Radfahren verboten, zum Beispiel wegen Länge, Verkehr oder schlechter Belüftung. Das Verbotsschild steht vor der Einfahrt. Oft gibt es eine alte Straße außen herum oder einen Bus mit Radtransport.
Tunnelhöhen für Wohnmobile
Die großen Hauptstrecken sind für Lkw gebaut. Niedrig sind vor allem ältere Tunnel an Nebenstraßen. Welche Durchfahrten für dein Fahrzeug knapp werden, zeigt der Wohnmobil-Straßencheck.
Häufige Fragen
Welcher ist der längste Tunnel in Norwegen?
Der Lærdalstunnel auf der E16 mit 24,5 km. Er ist zugleich der längste Straßentunnel der Welt.
Darf man im Tunnel überholen?
Nur, wenn es nicht durch Linie oder Schild verboten ist. In vielen Tunneln gilt Überholverbot, halte dich an die Markierung.
Was mache ich, wenn es im Tunnel brennt?
Wenn möglich weiterfahren und hinaus. Sonst Auto abstellen, Schlüssel stecken lassen, zu Fuß vom Rauch weg und über das Notruftelefon Hilfe rufen.
Sind Unterwassertunnel gefährlich?
Nein, sie sind gut überwacht und belüftet. Durch das starke Gefälle musst du aber bergab bewusst bremsen und bergauf mit langsamen Fahrzeugen rechnen.
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