Polarlichter-Kreuzfahrt: Hurtigruten, Havila oder AIDA ab Hamburg?
Nordlichter vom Schiff: Postschiff oder Kreuzfahrt ab Deutschland, wie viele Nächte du wirklich im Nordlichtgebiet verbringst, beste Monate, Kosten und Garantien.
Recherchiert und geschrieben von Jonas Lindemann

Nordlichter vom Schiff aus zu sehen, ist für viele der Inbegriff einer Polarlicht-Reise: Du stehst an Deck, unter dir das dunkle Wasser, über dir grüne Bänder zwischen verschneiten Bergen. Ob eine Kreuzfahrt dafür die richtige Wahl ist, hängt aber stark vom Schiff und der Route ab. Der wichtigste Unterschied: Wie viele Nächte verbringst du tatsächlich nördlich des Polarkreises?
Postschiff oder Kreuzfahrt ab Deutschland?
Für Nordlichter kommen zwei sehr unterschiedliche Arten von Schiffsreisen infrage.
Das Postschiff (Hurtigruten, Havila) fährt jeden Tag die norwegische Küste zwischen Bergen und Kirkenes entlang und legt in über 30 Häfen an. Die Schiffe sind kleiner, die Reise ist ruhiger, und du verbringst den größten Teil der Zeit an der Küste Nordnorwegens. Du fliegst in der Regel nach Bergen und von Kirkenes zurück oder fährst die ganze Rundreise.
Kreuzfahrten ab Hamburg oder Kiel (zum Beispiel AIDA, Mein Schiff, MSC) starten direkt in Deutschland und fahren in einigen Tagen bis zu den Lofoten, nach Tromsø oder Alta. Du brauchst keinen Flug, verbringst aber einen großen Teil der Reise auf der Nordsee und im Süden Norwegens, wo Nordlichter nur bei starken Stürmen zu sehen sind.
| Kriterium | Postschiff (Hurtigruten, Havila) | Kreuzfahrt ab Hamburg/Kiel |
|---|---|---|
| Nächte nördlich des Polarkreises | rund 6 von 11 (Rundreise) | je nach Route etwa 3 bis 6 |
| Anreise | Flug nach Bergen, Rückflug ab Kirkenes o. ä. | direkt ab deutschem Hafen |
| Schiffsgröße | klein bis mittel, wenig Unterhaltung | groß, viel Bordprogramm |
| Seetage auf offener Nordsee | keine | mehrere, im Winter oft stürmisch |
| Nordlicht-Alarm an Bord | ja | je nach Reederei |
| Garantie | Hurtigruten mit Nordlicht-Versprechen | in der Regel nicht |
Die Nächte nördlich des Polarkreises sind grob aus Fahrplan und Route geschätzt. Prüfe beim konkreten Angebot, wann das Schiff den Polarkreis überquert und wie viele Nächte es danach im Norden verbringt.
Wie gut sind die Chancen auf dem Schiff?
Nördlich des Polarkreises liegt das Schiff mitten unter dem Polarlichtoval. Die Sonnenaktivität reicht dort in den meisten Nächten für Polarlichter aus. Entscheidend ist wie an Land das Wetter, und die Küste ist wolkiger als das Inland: In Tromsø war nach den Wetterdaten von 2005 bis 2025 je nach Monat nur etwa jede dritte bis vierte Nacht überwiegend klar.
Ein Vorteil des Schiffs: Es bewegt sich. Hängen über einem Hafen die Wolken, kann es ein paar Stunden später schon aufgeklart haben. Anders als ein Mietwagen kann das Schiff aber nicht gezielt in eine Wolkenlücke fahren, es folgt seinem Fahrplan. Deshalb gilt auch auf dem Wasser: Je mehr Nächte im Norden, desto besser. Mit dem Chancen-Rechner siehst du für Orte entlang der Route, wie sich die Chance mit jeder Nacht verändert.
Ein Nachteil sind die Lichter an Bord. Deckbeleuchtung und Kabinenfenster stören schwache Polarlichter. Such dir an Deck eine dunkle Ecke auf der Seite, die vom Land wegzeigt, und gib deinen Augen rund 20 Minuten Zeit.
Hurtigruten und Havila: das Postschiff
Die klassische Postschiffroute Bergen–Kirkenes–Bergen dauert als Rundreise zwölf Tage. Nordgehend fährst du in sieben Tagen bis Kirkenes, südgehend in sechs Tagen zurück nach Bergen. Seit Ende 2021 fahren neben Hurtigruten auch die Schiffe von Havila Voyages auf derselben Route.
Für Nordlichter besonders interessant:
- Rundreise: die meisten Nächte im Norden. Häfen wie Tromsø und Svolvær erreichst du zweimal, meist zu unterschiedlichen Tageszeiten.
- Nordgehende Reise: etwas kürzer und günstiger, endet in Kirkenes an der russischen Grenze.
- Teilstrecken: Einige Tage zwischen Bodø, Tromsø und Kirkenes lassen sich gut mit einem Aufenthalt an Land kombinieren.
Die Preise für eine Rundreise im Winter beginnen grob bei 2.000 Euro pro Person in der Innenkabine und steigen mit Kabine, Saison und Ausflügen deutlich. Details zu Route, Monaten und Kosten liest du im Artikel Hurtigruten im Winter.
AIDA, Mein Schiff und Co. ab Hamburg oder Kiel
Mehrere deutsche Reedereien bieten im Herbst und Winter Nordland-Kreuzfahrten an, zum Beispiel AIDA mit Routen wie „Herbstliche Nordlichter“ oder „Winter im hohen Norden“. Typische Häfen sind Bergen, Ålesund, die Lofoten (Leknes oder Svolvær), Tromsø, Alta und Honningsvåg am Nordkap.
Diese Reisen dauern meist zwischen zehn und fünfzehn Nächten. Davon entfallen je nach Route mehrere auf die Anfahrt über Nordsee und Südnorwegen. Nördlich des Polarkreises liegt das Schiff oft nur drei bis sechs Nächte, und nicht jede davon ist ein Hafentag, an dem du abends an Land in die Dunkelheit fahren kannst.
Gut zu wissen:
- Übernachtungen im Hafen: Einige Routen bleiben über Nacht in Tromsø oder Alta. Dann kannst du eine Nordlicht-Tour an Land buchen, die bei Wolken ins Inland fährt. Das ist die beste Kombination aus Kreuzfahrt und Nordlichtjagd.
- Wetter und Routenänderungen: Im Herbst und Winter kann Sturm dazu führen, dass Häfen ausgelassen oder Routen geändert werden. Das ist bei Nordland-Kreuzfahrten nicht ungewöhnlich, lies die Bedingungen der Reederei vorab.
- Preis: Durch große Schiffe und die Anreise ohne Flug sind diese Kreuzfahrten pro Nacht oft günstiger als das Postschiff, bieten aber weniger Nächte im Nordlichtgebiet.
Welche Monate sind am besten?
Die Saison für Polarlicht-Kreuzfahrten reicht von September bis März.
- September und Oktober: mildere Temperaturen, weniger Eis und Schnee, oft Herbstfarben. Viele Kreuzfahrten ab Deutschland liegen in diesem Zeitraum. Die Nächte sind aber noch kürzer.
- November bis Januar: die längsten Nächte, rund um den Jahreswechsel mit Polarnacht im Norden. Auch Kreuzfahrten über Weihnachten und Silvester gibt es, siehe Polarlichter an Silvester und Weihnachten.
- Februar und März: Schnee, mehr Tageslicht für Landschaft und Ausflüge, dazu in unserer Auswertung für Tromsø vergleichsweise viele klare Nächte. Für das Postschiff oft die schönste Zeit.
Mehr zu den einzelnen Monaten findest du auf den Monatsseiten, zum Beispiel Nordlichter im Februar.
Gibt es eine Kreuzfahrt mit Polarlicht-Garantie?
Hurtigruten wirbt mit einem Nordlicht-Versprechen: Wer auf einer längeren Winterreise keine Polarlichter sieht, bekommt eine kostenlose Postschiffreise. Die genauen Bedingungen, etwa Reisedauer, Zeitraum und wer die Sichtung bestätigt, ändern sich von Saison zu Saison. Bei Kreuzfahrten ab Deutschland gibt es solche Garantien in der Regel nicht. Was diese Versprechen wert sind, liest du im Artikel Nordlicht-Garantie.
Für wen lohnt sich welche Schiffsreise?
- Postschiff: wenn dir Nordlichter wichtig sind und du gleichzeitig Landschaft, Häfen und ruhiges Reisen willst. Die meisten Nächte im Norden, dafür mit Flug.
- Kreuzfahrt ab Hamburg: wenn du nicht fliegen willst, Bordleben schätzt und Nordlichter als schönen Bonus siehst. Wähle eine Route mit Übernachtung in Tromsø oder Alta.
- Keine Kreuzfahrt: wenn du die bestmögliche Chance willst. Dann ist eine Woche an Land mit Mietwagen oder Touren meist besser, weil du Wolken gezielt ausweichen kannst. Ideen dafür findest du in den Reiserouten und im Überblick Polarlichter-Reise nach Norwegen.
Tipps für Nordlichter an Bord
- Nordlicht-Alarm aktivieren: Viele Schiffe melden Sichtungen per Durchsage oder Kabinentelefon, auch nachts.
- Kleidung griffbereit: Mütze, Handschuhe und Jacke liegen am besten neben der Kabinentür. Polarlichter können nach wenigen Minuten wieder schwächer werden.
- Fotografieren an Deck: Das Schiff bewegt sich und vibriert, lange Belichtungen werden deshalb schnell unscharf. Kürzere Zeiten mit höherer ISO funktionieren besser, siehe Nordlichter fotografieren.
- Vorhersage im Blick: Die Nordlicht-Vorhersage zeigt dir Aktivität und Bewölkung für die Orte entlang der Route.